Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan: Was bringt dir wirklich mehr? (2026)
Gefördertes Altersvorsorgedepot vs. ungeförderte ETF-Anlage: Wir rechnen beide Szenarien durch — mit Steuern, realen Kosten und Opportunitätskostenberechnung. Das Ergebnis überrascht.
TL;DR: Das Altersvorsorgedepot schlägt den ungeförderten ETF-Sparplan — aber nur wenn Kosten und Steuern korrekt eingerechnet werden. Wer die staatliche Zulage (25% auf Eigenbeiträge) und den Steuerstundungseffekt berücksichtigt, kommt nach 42 Jahren auf deutlich mehr als ein reiner ETF-Sparplan ohne Förderung. Entscheidend: Die Kostenquote des AVD sollte unter 1% bleiben, und die Honorarberatung schlägt die Provisionsberatung um gut 64.000 €.
Das neue Altersvorsorgedepot: Was steckt dahinter?
Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist der Riester-Nachfolger. Ab 2026 können Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte ein gefördertes Depot bei Banken und Brokern eröffnen und darin eigenverantwortlich in ETFs, Aktien und Fonds investieren.
Die staatliche Förderung funktioniert anders als bei Riester:
- Grundzulage: 25% auf Eigenbeiträge — wer 3.000 € pro Jahr einzahlt, erhält 750 € vom Staat dazu
- Steuerliche Abzugsfähigkeit: Beiträge können als Sonderausgaben geltend gemacht werden — über die Günstigerprüfung können zusätzliche Erstattungen entstehen
- Kostendeckel: Das Standardprodukt darf maximal 1,0% Effektivkosten pro Jahr kosten
- Flexibilität: Anders als Riester entfällt die Beitragsgarantie — Sparer tragen selbst die Anlageentscheidungen
Der größte Unterschied zu Riester: Sparer können selbst bestimmen, wie das Geld angelegt wird. Kein Versicherungsmantel, kein intransparenter Fonds.
Die Kontroverse: ETF schlägt gefördertes Sparen?
Anfang April 2026 veröffentlichte das Vergleichsportal Verivox eine Analyse, die aufhorchen ließ: Ein kostenloser ETF-Sparplan schlage das Altersvorsorgedepot — trotz staatlicher Förderung.
Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) widersprach scharf und warf Verivox zwei methodische Fehler vor.
Fehler 1: Das ETF-Depot ist nicht kostenfrei
Verivox modellierte das ungeförderte ETF-Depot als faktisch kostenfrei. In der Realität verursachen auch günstige ETFs laufende Kosten:
- Günstige World-ETFs: 0,07–0,20% TER p.a.
- Typisches ETF-Portfolio (mehrere ETFs + Sparplan-Kosten): 0,20–0,50% p.a.
Ein wirklich kostenloses ETF-Depot existiert nicht. Selbst bei 0,2% Kostendifferenz macht sich der Unterschied über 42 Jahre erheblich bemerkbar.
Fehler 2: Vorsteuer statt Nachsteuer
Verivox verglich auf Vorsteuer-Basis. Das ETF-Depot ist jedoch nicht steuerfrei — im Gegenteil:
- Vorabpauschale: Auf nicht ausgeschüttete Erträge wird jährlich eine Vorabpauschale fällig
- Abgeltungsteuer (26,375% inkl. Soli): Bei Ausschüttungen oder Verkäufen fällig
- Steuerstundungseffekt: Das geförderte Depot profitiert davon, dass Steuern erst bei Auszahlung anfallen — und dann oft zu einem niedrigeren Steuersatz
Das DIA rechnet vor: Bei einer Nachkostenrendite von 7,5% sinkt die effektive Nachsteuerrendite beim ETF-Depot auf rund 5,52% — ohne die Steuerstundungsvorteile des AVD zu berücksichtigen.
Die Zahlen: Drei Szenarien im Vergleich
Grundlage: 25-Jährige Person, monatlicher Eigenbeitrag 150 €, staatliche Grundzulage 45 €/Monat (25%), Renteneintritt mit 67 Jahren (42 Jahre Ansparphase), angenommene Rendite vor Kosten: 7,8% p.a.
| Szenario | Endkapital | Monatsrente* |
|---|---|---|
| AVD ohne BeratungEmpfehlung Direktbroker, 0,3 % Kosten | ~695.000 € | ~2.160 € |
| AVD mit Honorarberatung max. 0,5 % Kosten | 645.000 € | 2.006 € |
| AVD mit Provisionsberatung ca. 1,0 % Kosten | 581.000 € | 1.846 € |
| ETF-Sparplan ohne Förderung 150 €/Monat, 0,2 % Kosten | 517.000 € | 1.313 € |
*Monatsrente nach Steuern (20 % Einkommensteuer in der Rentenphase). Basis: 25-jährige Person, 150 €/Monat Eigenbeitrag, 45 €/Monat Grundzulage, 42 Jahre Ansparphase, 7,8 % Rendite vor Kosten. Quelle: Runge-Segelhorst / FAZ, 23.04.2026. AVD ohne Beratung: deporio.de-Schätzung (gleiche Methodik, 0,3 % Kosten).
Was die Zahlen bedeuten
Der Unterschied zwischen AVD mit Honorarberatung und dem ungeförderten ETF-Sparplan beträgt 128.000 € Kapital — oder 693 € mehr Rente pro Monat. Das ist signifikant.
Aber: Die Provisionsberatung kostet gegenüber der Honorarberatung 64.000 € und 160 €/Monat Rente. Wer das AVD über einen provisionspflichtigen Berater abschließt, verschenkt damit einen Großteil des Fördervorteils wieder.
Kernbotschaft: Das AVD lohnt sich — aber nur mit niedrigen Kosten. Die Kombination aus staatlicher Förderung, Steuerstundungseffekt und günstiger Kostenquote schlägt den reinen ETF-Sparplan deutlich. Die Provisionsberatung frisst den Vorteil teilweise wieder auf.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das AVD ist besonders attraktiv für:
- Angestellte mit mittlerem bis hohem Einkommen — die steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge ist wirksamer, je höher der persönliche Steuersatz
- Langfristige Sparer — der Zinseszinseffekt des Steuerstundungsvorteils entfaltet seine Wirkung über Jahrzehnte
- Personen, die die volle Grundzulage ausschöpfen — 25% staatliche Prämie auf Eigenbeiträge ist ein starkes Argument
Das AVD ist weniger attraktiv für:
- Personen mit sehr niedrigem Steuersatz — der steuerliche Abzug bringt weniger
- Anleger, die auf maximale Flexibilität angewiesen sind — das geförderte Depot hat Entnahmerestriktionen in der Ansparphase
- Anleger, die bereits ein voll optimiertes Depot führen — Steuervorteil und Kostenvorteil sind der Schlüssel; wer das ohne Förderung erreicht, hat weniger Nachholbedarf
Anspar- und Entnahmephase im direkten Vergleich
Die meisten Vergleiche betrachten nur das Endkapital. Was dabei fehlt: Die steuerliche Behandlung unterscheidet sich in beiden Phasen erheblich — und das kippt das Ergebnis oft zugunsten des AVD.
| Aspekt | AVD | ETF-Depot |
|---|---|---|
| Ansparphase | ||
| Beiträge steuerlich absetzbar | ✓ Ja (Sonderausgaben, bis 6.840 €/Jahr) | ✗ Nein |
| Staatliche Förderung | ✓ Ja (Grundzulage 25 %, max. 540 €/Jahr) | ✗ Nein |
| Laufende Besteuerung der Erträge | Steuerstundung (erst bei Auszahlung) | Vorabpauschale jährlich fällig |
| Vorzeitige Entnahme möglich | ✗ Nein (gebunden bis 62. Lj.) | ✓ Ja (jederzeit) |
| Entnahmephase | ||
| Besteuerung der Auszahlungen | Einkommensteuer auf Vollauszahlung (typisch 18–22 % in Rente) | Abgeltungsteuer 26,375 % — nur auf Gewinne; Einlagen steuerfrei |
| Vorteil bei niedrigem Rentensteuersatz | ✓ AVD besser (wenn Steuersatz < 26,375 %) | – |
| Flexibilität der Entnahme | Eingeschränkt (Verrentungspflicht möglich) | ✓ Voll flexibel |
Der entscheidende Punkt: Wer im Rentenalter unter dem Abgeltungsteuersatz von 26,375 % liegt — und das ist bei vielen Rentnern der Fall — zahlt beim AVD weniger Steuern auf die Auszahlung als ein ETF-Anleger auf seine Gewinne. Kombiniert mit der staatlichen Förderung und der Steuerstundung ergibt sich ein mehrfacher Vorteil.
Was fehlt in fast allen Vergleichen: Opportunitätskosten
Die meisten Rechnungen, die im Netz kursieren, vergleichen Altersvorsorgedepot gegen ETF-Sparplan mit demselben monatlichen Betrag. Das ist vereinfacht.
Ein fairer Vergleich muss Opportunitätskosten einbeziehen: Was hätte das Kapital erwirtschaftet, das in der AVD-Förderstruktur gebunden oder steuerlich fixiert ist?
Für Immobilien-Investoren stellt sich dieselbe Frage noch schärfer: Das im Eigenkapital gebundene Kapital kostet Rendite — auch wenn es "sicher" erscheint.
Auf deporio.de entwickeln wir einen Rechner, der diesen Vergleich korrekt abbildet: Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan vs. Immobilie — mit realistischen Steuer-, Kosten- und Opportunitätskosten-Annahmen. Coming soon.
Fazit: Gefördertes Sparen lohnt sich — bei richtiger Umsetzung
Die Verivox-Analyse hat auf ein echtes Problem hingewiesen: Zu hohe Kosten und intransparente Provisionsstrukturen können den Fördervorteil des AVD auffressen. Das DIA hat mit berechtigten Argumenten korrigiert, dass ein fairer Nachsteuer-Vergleich das Bild deutlich zugunsten des AVD dreht.
Die Schlussfolgerung für eigenverantwortliche Anleger:
- AVD bevorzugen — sofern Kosten unter 1% bleiben und die volle Förderung ausgeschöpft wird
- Provisionsberatung meiden — 64.000 € Differenz sprechen für sich
- Honorarberatung oder Direktbroker wählen — sobald die ersten Anbieter bekannt sind, veröffentlicht deporio.de einen vollständigen Vergleich
- Steuer berücksichtigen — kein Vergleich ohne Nachsteuerrechnung ist aussagekräftig
Quellen
- Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA): Stellungnahme zur Verivox-Analyse, April 2026
- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2026: "ETF oder gefördertes Sparen: Was bringt mehr Rendite?"
- Verivox: Vergleichsrechnung Altersvorsorgedepot vs. ETF-Depot, April 2026
- Bundesministerium der Finanzen (BMF): Gesetzentwurf zum Altersvorsorgestärkungsgesetz 2025
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist der Nachfolger des Riester-Vertrags und kann ab 2026 bei Banken und Brokern eröffnet werden. Der Staat fördert Eigenbeiträge mit einer Grundzulage von 25% (max. 750 € pro Jahr bei 3.000 € Eigenbeitrag). Anders als Riester können Sparer selbst in ETFs und Aktien investieren.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot gegenüber einem ETF-Sparplan?
Das hängt maßgeblich von individuellen Faktoren ab: Steuersatz, Anlagerendite, Kosten des AVD und Förderhöhe. Bei einer 25-jährigen Person, die 150 € monatlich anlegt und die volle Grundzulage (45 €) erhält, ergibt ein gut geführtes AVD nach 42 Jahren mehr Kapital als ein ungeförderte ETF-Sparplan — sofern die AVD-Kosten unter 1% bleiben und die Steuervorteile in der Ansparphase genutzt werden.
Warum ist der Verivox-Vergleich (ETF schlägt Riester-Nachfolger) umstritten?
Verivox modellierte das ETF-Depot als praktisch kostenfrei und berechnete Vorsteuerrenditen. Das DIA (Deutsches Institut für Altersvorsorge) widerspricht: Selbst günstige ETFs kosten 0,2–0,5% p.a., und bei einer Nachsteuerbetrachtung (Vorabpauschale, Abgeltungsteuer) sinkt die ETF-Rendite erheblich. Eine faire Nachsteuer-Nachkostenrechnung ergibt laut DIA ein anderes Bild.
Wie hoch sind die maximalen Kosten beim Altersvorsorgedepot?
Der Gesetzgeber hat für das Standard-AVD eine Effektivkostenkappen von 1,0% p.a. eingeführt. Broker, die ein Altersvorsorgedepot anbieten, dürfen für das Standardprodukt diesen Deckel nicht überschreiten.
Was sind die Opportunitätskosten des Eigenkapitals?
Bei jeder gebundenen Investition (ob Immobilie oder gefördertes Depot) entsteht die Frage: Was hätte das Geld alternativ erwirtschaftet? Diese Opportunitätskosten fehlen in den meisten Vergleichsrechnungen. Ein fairer Vergleich muss darstellen, was das eingesetzte Kapital im besten alternativen Szenario — z.B. einem ETF-Weltportfolio — erzielt hätte.
Wann kommen die ersten Anbieter für das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot kann voraussichtlich ab 2026 bei Banken und Online-Brokern eröffnet werden. Die konkreten Konditionen der einzelnen Anbieter werden schrittweise bekannt gegeben. Deporio.de wird einen Vergleich aller Anbieter veröffentlichen, sobald die Produkte am Markt sind.