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Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan: Was lohnt sich mehr?

Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan? Förderung, Kosten und Steuern im Nachsteuer-Vergleich, mit drei Rechenszenarien und Quellen. Stand Oktober 2026.

9 min readVon Marvin Rosenkranz

TL;DR: Das Altersvorsorgedepot schlägt den ungeförderten ETF-Sparplan — aber nur wenn Kosten und Steuern korrekt eingerechnet werden. Wer die staatliche Zulage (bis zu 540 € Grundzulage im Jahr) und den Steuerstundungseffekt berücksichtigt, kommt nach 42 Jahren auf deutlich mehr als ein reiner ETF-Sparplan ohne Förderung. Entscheidend: Die Kostenquote des AVD sollte unter 1% bleiben, und die Honorarberatung schlägt die Provisionsberatung um gut 64.000 €.


Das neue Altersvorsorgedepot: Was steckt dahinter?

Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist der Riester-Nachfolger. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte ein gefördertes Depot bei Banken und Brokern eröffnen können und darin eigenverantwortlich in ETFs und Fonds investieren. Förderung, Kosten und erlaubte Anlagen im Überblick stehen auf der Seite Altersvorsorgedepot: Förderung, Kosten, erlaubte ETFs. Wie das Depot im Vergleich zu bAV, Riester und Rürup abschneidet, zeigt der Produktvergleich.

Die staatliche Förderung funktioniert anders als bei Riester:

  • Grundzulage: 50 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 €, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 € — wer 1.800 € pro Jahr einzahlt, erhält 540 € vom Staat dazu
  • Steuerliche Abzugsfähigkeit: Beiträge können als Sonderausgaben geltend gemacht werden — über die Günstigerprüfung können zusätzliche Erstattungen entstehen
  • Kostendeckel: Das Standardprodukt darf maximal 1,0% Effektivkosten pro Jahr kosten
  • Flexibilität: Anders als bei Riester gibt es keine Pflicht zur Beitragsgarantie — Sparer tragen selbst die Anlageentscheidungen, Garantieprodukte bleiben optional

Der größte Unterschied zu Riester: Sparer können selbst bestimmen, wie das Geld angelegt wird. Kein Versicherungsmantel, kein intransparenter Fonds.


Die Kontroverse: ETF schlägt gefördertes Sparen?

Anfang April 2026 veröffentlichte das Vergleichsportal Verivox in einer Pressemitteilung eine Analyse, die aufhorchen ließ: Ein kostenloser ETF-Sparplan schlage das Altersvorsorgedepot — trotz staatlicher Förderung.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) widersprach scharf und warf Verivox zwei methodische Fehler vor.

Fehler 1: Das ETF-Depot ist nicht kostenfrei

Verivox modellierte das ungeförderte ETF-Depot als faktisch kostenfrei. In der Realität verursachen auch günstige ETFs laufende Kosten:

  • Laut DIA liegen die laufenden Kosten günstiger ETFs typischerweise bei 0,2 bis 0,5 % p.a.

Ein wirklich kostenloses ETF-Depot existiert nicht. Selbst bei 0,2% Kostendifferenz macht sich der Unterschied über 42 Jahre erheblich bemerkbar.

Fehler 2: Vorsteuer statt Nachsteuer

Verivox verglich auf Vorsteuer-Basis. Das ETF-Depot ist jedoch nicht steuerfrei — im Gegenteil:

  • Vorabpauschale: Auf nicht ausgeschüttete Erträge wird jährlich eine Vorabpauschale fällig
  • Abgeltungsteuer (26,375% inkl. Soli): Bei Ausschüttungen oder Verkäufen fällig
  • Steuerstundungseffekt: Das geförderte Depot profitiert davon, dass Steuern erst bei Auszahlung anfallen — und dann oft zu einem niedrigeren Steuersatz

Das DIA beziffert den Effekt: Die Besteuerung des ETF-Depots koste bei den Renditeannahmen von Verivox fast zwei Prozentpunkte Rendite. Außerdem fehlten in der Verivox-Rechnung die steuerlichen Vorteile des AVD, etwa die Abzugsfähigkeit der Beiträge und die Günstigerprüfung.


Die Zahlen: Drei Szenarien im Vergleich

Grundlage: 25-Jährige Person, monatlicher Eigenbeitrag 150 €, staatliche Grundzulage 45 €/Monat (30 % des Eigenbeitrags), Renteneintritt mit 67 Jahren (42 Jahre Ansparphase), angenommene Rendite vor Kosten: 7,8% p.a.

SzenarioEndkapitalMonatsrente*
AVD ohne BeratungEmpfehlung
Trade Republic, 0 % Kosten*
~755.000 €~2.350 €
AVD mit Honorarberatung
max. 0,5 % Kosten
645.000 €2.006 €
AVD mit Provisionsberatung
ca. 1,0 % Kosten
581.000 €1.846 €
ETF-Sparplan ohne Förderung
150 €/Monat, 0,2 % Kosten
517.000 €1.313 €

*Monatsrente nach Steuern (20 % Einkommensteuer in der Rentenphase). Basis: 25-jährige Person, 150 €/Monat Eigenbeitrag, 45 €/Monat Grundzulage, 42 Jahre Ansparphase, 7,8 % Rendite vor Kosten. Quelle: Runge-Segelhorst / FAZ, 23.04.2026. *AVD ohne Beratung: deporio.de-Schätzung mit 0 % Kosten (Endkapital nach der Sparplanformel, Monatsrente im Verhältnis zur Zeile mit 0,5 % Kosten). Grundlage der Kostenannahme: Trade Republic hat am 13.10.2026 angekündigt, für das Altersvorsorgedepot keine Depotgebühren zu erheben und die laufenden Produktkosten von mehreren Dutzend ETFs zu übernehmen (laut dpa mehr als 50). Das ist laut onvista eine freiwillige Zusage ohne vertragliche Garantie und gilt nicht für alle Fonds, Details und Quellen im Anbieter-Vergleich.

Was die Zahlen bedeuten

Der Unterschied zwischen AVD mit Honorarberatung und dem ungeförderten ETF-Sparplan beträgt 128.000 € Kapital — oder 693 € mehr Rente pro Monat. Das ist signifikant.

Aber: Die Provisionsberatung kostet gegenüber der Honorarberatung 64.000 € und 160 €/Monat Rente. Wer das AVD über einen provisionspflichtigen Berater abschließt, verschenkt damit einen Großteil des Fördervorteils wieder.

Kernbotschaft: Das AVD lohnt sich — aber nur mit niedrigen Kosten. Die Kombination aus staatlicher Förderung, Steuerstundungseffekt und günstiger Kostenquote schlägt den reinen ETF-Sparplan deutlich. Die Provisionsberatung frisst den Vorteil teilweise wieder auf.


Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das AVD ist besonders attraktiv für:

  • Angestellte mit mittlerem bis hohem Einkommen — die steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge ist wirksamer, je höher der persönliche Steuersatz
  • Langfristige Sparer — der Zinseszinseffekt des Steuerstundungsvorteils entfaltet seine Wirkung über Jahrzehnte
  • Personen, die die volle Grundzulage ausschöpfen — 540 € im Jahr bei 1.800 € Eigenbeitrag sind ein starkes Argument; wie viel es bei deinem Beitrag ist, rechnet der AVD-Rechner aus

Das AVD ist weniger attraktiv für:

  • Personen mit sehr niedrigem Steuersatz — der steuerliche Abzug bringt weniger
  • Anleger, die auf maximale Flexibilität angewiesen sind — das geförderte Depot hat Entnahmerestriktionen in der Ansparphase
  • Anleger, die bereits ein voll optimiertes Depot führen — Steuervorteil und Kostenvorteil sind der Schlüssel; wer das ohne Förderung erreicht, hat weniger Nachholbedarf

Anspar- und Entnahmephase im direkten Vergleich

Die meisten Vergleiche betrachten nur das Endkapital. Was dabei fehlt: Die steuerliche Behandlung unterscheidet sich in beiden Phasen erheblich — und das kippt das Ergebnis oft zugunsten des AVD.

AspektAVDETF-Depot
Ansparphase
Beiträge steuerlich absetzbar✓ Ja (Sonderausgaben, bis 1.800 € plus Zulage)✗ Nein
Staatliche Förderung✓ Ja (Grundzulage 50/25 Cent je Euro, max. 540 €/Jahr)✗ Nein
Laufende Besteuerung der ErträgeSteuerstundung (erst bei Auszahlung)Vorabpauschale jährlich fällig
Vorzeitige Entnahme möglich✗ Nein (Auszahlungsbeginn zwischen 65 und 70; eine frühere Entnahme führt zur Rückzahlung der Förderung)✓ Ja (jederzeit)
Entnahmephase
Besteuerung der AuszahlungenNachgelagert: die gesamte Auszahlung wird mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert26,375 % auf die Gewinne (bei Aktienfonds nach 30 % Teilfreistellung effektiv rund 18,5 %); Einlagen bleiben steuerfrei
Wann der Steuereffekt zähltJe höher dein Steuersatz heute und je niedriger in der Rente, desto größer der Vorteil–
Flexibilität der EntnahmeEingeschränkt (Verrentungspflicht möglich)✓ Voll flexibel

Der entscheidende Punkt ist nicht ein einzelner Steuersatz, sondern der Zeitpunkt: Beim AVD setzt du die Beiträge heute ab und versteuerst die gesamte Auszahlung später mit dem Steuersatz, der dann für dich gilt. Beim ETF-Sparplan zahlst du aus bereits versteuertem Einkommen und versteuerst später nur die Gewinne, bei Aktienfonds nach 30 % Teilfreistellung. Ob der Abzug sich lohnt, hängt also davon ab, wie dein Steuersatz heute zu dem in der Rente steht. Zusammen mit der Zulage und der Steuerstundung in der Ansparphase entscheidet das, ob das AVD vorne liegt. Den Effekt für deine Zahlen zeigt der Profi-Rechner.

Was in vielen Vergleichen fehlt: Flexibilität und Opportunitätskosten

Die meisten Rechnungen, die im Netz kursieren, vergleichen Altersvorsorgedepot und ETF-Sparplan mit demselben monatlichen Betrag und schauen nur auf das Endkapital. Das ist vereinfacht.

Ein fairer Vergleich fragt zusätzlich: Was hätte das Kapital alternativ erwirtschaftet, und wie gut kommst du bis zur Rente an dein Geld? Einen ETF-Sparplan kannst du jederzeit verkaufen. Beim Altersvorsorgedepot beginnt die Auszahlung frühestens mit 65, und eine Entnahme davor löst die Rückzahlung der Förderung aus. Wie sich beide Wege neben bAV, Riester und Rürup einordnen, zeigt der Produktvergleich.


Fazit: Gefördertes Sparen lohnt sich — bei richtiger Umsetzung

Die Verivox-Analyse hat auf ein echtes Problem hingewiesen: Zu hohe Kosten und intransparente Provisionsstrukturen können den Fördervorteil des AVD auffressen. Das DIA hat mit berechtigten Argumenten korrigiert, dass ein fairer Nachsteuer-Vergleich das Bild deutlich zugunsten des AVD dreht.

Die Schlussfolgerung für eigenverantwortliche Anleger:

  1. AVD bevorzugen — sofern Kosten unter 1% bleiben und die volle Förderung ausgeschöpft wird
  2. Provisionsberatung meiden — 64.000 € Differenz sprechen für sich
  3. Honorarberatung oder Direktbroker wählen — die bisher angekündigten Konditionen der Anbieter stehen im Anbieter-Vergleich
  4. Steuer berücksichtigen — kein Vergleich ohne Nachsteuerrechnung ist aussagekräftig

Quellen

Häufige Fragen

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist der Nachfolger des Riester-Vertrags; die Produkte sollen ab dem 1. Januar 2027 bei Banken und Brokern angeboten werden. Der Staat fördert Eigenbeiträge mit einer Grundzulage: 50 Cent je Euro bis 360 € im Jahr, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 €, höchstens 540 € pro Jahr. Anders als Riester können Sparer selbst in ETFs investieren; Einzelaktien sind nicht erlaubt.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot gegenüber einem ETF-Sparplan?

Das hängt maßgeblich von individuellen Faktoren ab: Steuersatz, Anlagerendite, Kosten des AVD und Förderhöhe. Bei einer 25-jährigen Person, die 150 € monatlich anlegt und die volle Grundzulage (45 €) erhält, ergibt ein gut geführtes AVD nach 42 Jahren mehr Kapital als ein ungeförderte ETF-Sparplan — sofern die AVD-Kosten unter 1% bleiben und die Steuervorteile in der Ansparphase genutzt werden.

Warum ist der Verivox-Vergleich (ETF schlägt Riester-Nachfolger) umstritten?

Verivox modellierte das ETF-Depot als praktisch kostenfrei und berechnete Vorsteuerrenditen. Das DIA (Deutsches Institut für Altersvorsorge) widerspricht: Selbst günstige ETFs kosten 0,2–0,5% p.a., und bei einer Nachsteuerbetrachtung (Vorabpauschale, Abgeltungsteuer) sinkt die ETF-Rendite erheblich. Eine faire Nachsteuer-Nachkostenrechnung ergibt laut DIA ein anderes Bild.

Wie hoch sind die maximalen Kosten beim Altersvorsorgedepot?

Der Gesetzgeber hat für das Standard-AVD eine Effektivkostenkappen von 1,0% p.a. eingeführt. Broker, die ein Altersvorsorgedepot anbieten, dürfen für das Standardprodukt diesen Deckel nicht überschreiten.

Wie unterscheiden sich Altersvorsorgedepot und ETF-Sparplan bei der Steuer?

Beim Altersvorsorgedepot sind Beiträge bis 1.800 € zuzüglich Zulage als Sonderausgaben abziehbar, die Erträge bleiben in der Ansparphase unbesteuert, und die Auszahlung wird nachgelagert mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Beim ETF-Sparplan gibt es keinen Abzug. Auf Gewinne fallen 25 % Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag an, bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei, und der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € bleibt unversteuert.

Kann ich mein Geld aus dem Altersvorsorgedepot vor der Rente entnehmen?

Der Auszahlungsbeginn liegt zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr. Eine Auszahlung davor ist eine schädliche Verwendung: Die Zulagen und Steuervorteile sind zurückzuzahlen, außer bei selbstgenutztem Wohneigentum. Den Anbieter kannst du wechseln, in den ersten fünf Jahren darf das bis zu 150 € kosten. Ein ETF-Sparplan lässt sich dagegen jederzeit verkaufen.

Wann kommen die ersten Anbieter für das Altersvorsorgedepot?

Die neuen Produkte sollen ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Die Konditionen der einzelnen Anbieter werden schrittweise bekannt; die bisher angekündigten stehen im Anbieter-Vergleich auf deporio.de und werden dort aktualisiert.

MR

Autor

Marvin Rosenkranz

Herausgeber & Gründer von deporio.de

Marvin Rosenkranz ist Geschäftsführer der Auxilit GmbH und Herausgeber von deporio.de. Er analysiert Altersvorsorge-Depot, ETF-Strategien und Kapitalmarktprodukte mit Fokus auf transparente Annahmen, offengelegte Formeln und Nachsteuervergleiche.

Kein Anlageberatung: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte konsultiere vor Anlageentscheidungen einen unabhängigen Finanzberater.