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Altersvorsorgedepot

Altersvorsorgedepot Kosten: Deckel, Gebühren, Anbieter

Was kostet das Altersvorsorgedepot? 1 % Deckel nur beim Standarddepot, Wechselkosten bis 150 €, Konditionen von Trade Republic, Scalable und Co. mit Quellen.

6 min readVon Marvin Rosenkranz

TL;DR: Einen gesetzlichen Kostendeckel gibt es nur beim Standarddepot: höchstens 1,0 % Effektivkosten pro Jahr. Andere Altersvorsorgedepots und aktiv gemanagte Fonds dürfen mehr kosten. Die ersten Anbieter bleiben weit unter dem Deckel, Trade Republic nennt keine laufenden Depotgebühren und übernimmt die Produktkosten von mehreren Dutzend ETFs. In unserer Modellrechnung nehmen 1 % Gebühren über 32 Jahre rund 19 % des Endkapitals.

Beim Altersvorsorgedepot bekommst du Zulage und Steuervorteil, die Kosten laufen aber über die ganze Sparzeit mit. Sie sind der Hebel, den du selbst in der Hand hast: Die Förderung ist gesetzlich festgelegt, die Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter und Produkt. Die Regeln stehen im Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 156), die Produkte starten am 1. Januar 2027. Die Konditionen der Anbieter sind bisher nur angekündigt und nicht verbindlich, verbindlich wird erst das Preis- und Leistungsverzeichnis des zertifizierten Produkts.

Der Kostendeckel: 1 % gilt nur für das Standarddepot

Anbieter müssen die Effektivkosten ihres Vertrags ermitteln. Sie zeigen, in welcher Höhe die Kosten die Rendite bis zum Beginn der Auszahlungsphase mindern, und werden nach dem Gesamtkostenindikator der Delegierten Verordnung (EU) 2017/653 berechnet. Die Obergrenze von 1,0 % gilt nur für den Standarddepot-Vertrag nach § 1 Absatz 1c AltZertG. Maßgeblich sind die Effektivkosten im individuellen Produktinformationsblatt, und ein Wirtschaftsprüfer oder Aktuar muss mindestens alle drei Jahre bestätigen, dass sie richtig berechnet sind und der Deckel eingehalten wird (BGBl. 2026 I Nr. 156, Artikel 6, § 2a AltZertG).

Das Standarddepot muss jeder Anbieter eines Altersvorsorgedepots anbieten (Bundesregierung). Es lässt sich elektronisch abschließen, besteht aus zwei vorab festgelegten Fonds, einem vorsichtigeren und einem chancenreicheren, und schichtet fünf Jahre vor der Auszahlung auf höchstens 50 % und zwei Jahre vorher auf höchstens 30 % im chancenreicheren Fonds um. Für alle anderen Altersvorsorgedepots, bei denen du Fonds selbst auswählst, nennt das Gesetz keine Obergrenze. Die Deka etwa gibt ihre aktiv gemanagten Modelle mit 1,0 bis 1,5 % Effektivkosten an, ihr Standarddepot mit 0,1 % (FAZ, 2026).

Citation Capsule: Die Effektivkosten eines Standarddepot-Vertrags nach § 1 Absatz 1c AltZertG dürfen höchstens 1,0 Prozent betragen. Die Obergrenze gilt nur für diesen Vertragstyp, für andere Altersvorsorgedepots nennt das Gesetz keine (BGBl. 2026 I Nr. 156, § 2a AltZertG).

Welche Kosten gibt es neben den Effektivkosten?

  • Abschluss- und Vertriebskosten: Sie müssen gleichmäßig auf die vereinbarte Ansparphase verteilt werden, soweit der Anbieter sie nicht als Prozentsatz von den Beiträgen samt Zulagen abzieht (BGBl. 2026 I Nr. 156, § 1 AltZertG).
  • Laufende Fondskosten: die Kosten der gewählten ETFs, bei Smartbroker+ zusätzlich marktübliche Spreads und Zuwendungen.
  • Order- und Depotkosten: Je nach Anbieter 0 Euro für Depot und Sparplan, Einzelorders können kosten, zum Beispiel 0,99 Euro bei Scalable im FREE-Tarif.
  • Wechselkosten: Wechselst du in den ersten fünf Jahren, darf der bisherige Anbieter höchstens 150 Euro berechnen, danach ist die Übertragung kostenfrei. Dasselbe gilt bei einer Kostenänderung nach § 7c AltZertG und bei einer Übertragung zum selben Anbieter. Gekündigt wird mit drei Monaten Frist zum Quartalsende (BGBl. 2026 I Nr. 156, § 1 AltZertG).

Was Anbieter bisher angekündigt haben

Stand der Angaben ist der 14.10.2026. Alle Konditionen sind angekündigt, nicht verbindlich. ING und DKB haben noch keine Preise genannt.

AnbieterDepot und SparplanLaufende ProduktkostenHaken
Scalable Capital0 € für Depot, Sparplan, Ein- und Auszahlung, Kauf und Verkauf (Standarddepot)0 % TER für ausgewählte ETFs bis 31.12.2027, danach höchstens 0,15 % p.a.0-%-TER nur für ausgewählte ETFs und nur 2027
Smartbroker+0 € für Depot, Sparplan, Kauf und Verkauf (Standarddepot)TER wird drei Jahre zu 100 % erstattetnur im Standarddepot und bis 25.000 € Anlagevolumen
Deka (Sparkassen)keine Depotkosten0,1 % Effektivkosten p.a. (Standarddepot)aktiv gemanagte Modelle 1,0 bis 1,5 %, BaFin-Vorbehalt
Trade Republic0 € Depotgebühren, kostenlose Sparplanausführung0 € für mehrere Dutzend ETFs von BlackRock, DWS und Vanguardfreiwillige Zusage ohne vertragliche Garantie, andere Fonds regulär

Die Quellen: Scalable Capital, Smartbroker+, FAZ zur Deka, Trade Republic (Pressemitteilung, 13.10.2026) und onvista zur Zusage von Trade Republic. Details, Bedingungen und alle Belege je Anbieter stehen im Anbieter-Vergleich, der laufend aktualisiert wird. Ein Bonus oder ein Gratis-Jahr ersetzt keinen Kostenvergleich über die ganze Laufzeit.

Was Kosten über die Laufzeit ausmachen

Kosten wirken wie ein Abschlag auf die Rendite, jedes Jahr, auf das gesamte Kapital. Das zeigt eine Modellrechnung mit den Voreinstellungen des AVD-Rechners: 35 Jahre, 150 Euro Eigenbeitrag im Monat, dazu 540 Euro Zulage im Jahr, 7 % Rendite vor Kosten, 32 Jahre bis zum 67. Lebensjahr.

EffektivkostenEndkapital nach 32 JahrenUnterschied zu 0 %
0 %rund 280.000 €–
0,3 %rund 263.000 €rund 17.000 € weniger (6 %)
0,5 %rund 252.000 €rund 28.000 € weniger (10 %)
1,0 %rund 227.000 €rund 53.000 € weniger (19 %)

Eigene Rechnung nach der Formel des AVD-Rechners: monatliche Verzinsung, Rendite vor Kosten minus Effektivkosten, vor Steuern. Eingezahlt werden insgesamt rund 74.900 Euro, davon 57.600 Euro eigene Beiträge und 17.300 Euro Zulagen. Das ist eine Modellrechnung mit festen Annahmen, keine Prognose.

Eine einfache Faustformel: Bei einem Depotwert von 50.000 Euro kosten 1 % Effektivkosten 500 Euro im Jahr, 0,1 % kosten 50 Euro. Je größer das Kapital wird, desto mehr zählt der Prozentsatz, und desto weniger zählt ein einmaliger Bonus. Wie sich die Kosten zusammen mit Zulage und Steuer auswirken, vergleicht der Artikel Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan, die übrigen Vorsorgeformen stehen im Produktvergleich.

Citation Capsule: In einer Modellrechnung mit 150 Euro Eigenbeitrag im Monat, 540 Euro Zulage im Jahr und 7 % Rendite vor Kosten wächst das Altersvorsorgedepot in 32 Jahren auf rund 280.000 Euro ohne Kosten und auf rund 227.000 Euro bei 1 % Effektivkosten. Das sind rund 53.000 Euro oder 19 % weniger (deporio-Modellrechnung, vor Steuern).


Fazit: Auf Effektivkosten und Bedingungen achten

Der Deckel von 1 % schützt nur beim Standarddepot. Wer Fonds selbst auswählt oder aktiv gemanagte Modelle nimmt, kann deutlich mehr zahlen. Die ersten Anbieter liegen weit darunter, aber ihre Zusagen haben Haken: befristete Erstattungen, Auswahllisten und freiwillige Übernahmen ohne Garantie. Achte deshalb auf die Effektivkosten im Produktinformationsblatt, auf Bedingungen und auf die Wechselkosten. Wechseln kannst du später, nach fünf Jahren sogar kostenfrei. Wer von Riester kommt, findet die Regeln zur Übertragung im Artikel Altersvorsorgedepot vs. Riester. Die Förderung selbst rechnet der AVD-Rechner aus, die Seite Altersvorsorgedepot: Förderung, Kosten, erlaubte ETFs fasst die Grundlagen zusammen. Wie die Steuer wirkt, erklärt der Artikel Altersvorsorgedepot Steuer.

Quellen

Häufige Fragen

Wie hoch dürfen die Kosten beim Altersvorsorgedepot sein?

Für das Standarddepot sind die Effektivkosten auf höchstens 1,0 % pro Jahr begrenzt. Für andere Altersvorsorgedepots gibt es keine gesetzliche Obergrenze. Maßgeblich sind die Effektivkosten, die im individuellen Produktinformationsblatt des Anbieters stehen.

Was sind Effektivkosten?

Effektivkosten zeigen, in welcher Höhe die Kosten die Rendite des Vertrags bis zum Beginn der Auszahlungsphase mindern. Sie werden nach dem Gesamtkostenindikator der Delegierten Verordnung (EU) 2017/653 berechnet. Bringt die Anlage 5 % vor Kosten und betragen die Effektivkosten 1,0 %, bleiben 4 % netto.

Was kostet ein Anbieterwechsel beim Altersvorsorgedepot?

Wechselst du in den ersten fünf Jahren nach Vertragsabschluss, darf der bisherige Anbieter höchstens 150 Euro berechnen. Danach ist die Übertragung kostenfrei, ebenso bei einer Kostenänderung nach § 7c AltZertG oder bei einer Übertragung zum selben Anbieter. Die Kündigung läuft mit drei Monaten Frist zum Quartalsende.

Ist das Altersvorsorgedepot bei Trade Republic kostenlos?

Trade Republic hat am 13.10.2026 angekündigt, keine Depotgebühren zu erheben und Sparpläne kostenlos auszuführen. Für mehrere Dutzend ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard (laut dpa mehr als 50) übernimmt der Broker die laufenden Produktkosten, laut onvista freiwillig und ohne vertragliche Garantie. Andere Fonds kosten regulär, zu Einzelorders und zum Anbieterwechsel nennt die Ankündigung nichts.

Wie viel kosten 1 % Gebühren über die Laufzeit?

In unserer Modellrechnung (35 Jahre alt, 150 Euro im Monat, 540 Euro Zulage im Jahr, 7 % Rendite vor Kosten) endet das Depot nach 32 Jahren bei rund 280.000 Euro ohne Kosten und bei rund 227.000 Euro mit 1 % Effektivkosten. Das sind rund 53.000 Euro oder 19 % weniger.

MR

Autor

Marvin Rosenkranz

Herausgeber & Gründer von deporio.de

Marvin Rosenkranz ist Geschäftsführer der Auxilit GmbH und Herausgeber von deporio.de. Er analysiert Altersvorsorge-Depot, ETF-Strategien und Kapitalmarktprodukte mit Fokus auf transparente Annahmen, offengelegte Formeln und Nachsteuervergleiche.

Kein Anlageberatung: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte konsultiere vor Anlageentscheidungen einen unabhängigen Finanzberater.